Aktuelle Publikationen und Informationen

 


Aus dem Inhalt

I. Geschichte und Gegenwart:

Anton Klipp: Die Thököly von Kesmark;

Andreas Schneck: zum Rechnungswesen einer Zipser Landgemeinde vor 160 Jahren;

Heike Drechsler-Meel: Gustav Adolf Weisz und sein Einsatz für den Erhalt der deutschen Kultur in der Zips nach dem Zweiten Weltkrieg;

Barbara Kanowsky und Jörg Meier: Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Neuordnung (Mittel-)Europas;

Hans Kobialka: 70 Jahre Organisationen der heimatvertriebenen Karpatendeutschen;

Brundhilde Reitmeier-Zwick: 50 Jahre Karpatendeutsches Kulturwerk.

II. Erzähltes und Erlebtes

Alfred Thern: Kesmarker Erinnerungen I - Unser Kesmarker Lesekreis;

Martin Moravek: Erinnerung an eine Reise in die Tschechoslowakei (CSSR) im August 1968;

Eine Sage aus Gaidel: Das Licht im Kohlengrund.

III. Kunst - Kultur - Pressewesen

Werner Laser: Ein Altarflügel aus Malthern/Podhorany in der Budapester Nationalgalerie;

Hans Kobialka: Die Adelsfamilie Görgey und ihr Kastell in Topportz;

Ernst Hochberger: Verwischte Spuren eines Auswanderers: Hans Broos (1921-2011) aus Großlomnitz;

Wolfgang Kessler: Heimatkalender und Jahrbücher als Medien der Erinnerung am Beispiel des "Karpatenjahrbuchs";

Jan Schratstetter: 10 Jahre Digitales Forum Mittel- und Osteuropa (DiFMOE).

IV. Miszellen

Ernst Hochberger: Der Dargopass - Schlachtfeld zum Ende des Zweiten Weltkrieges in der Ostslowakei;

Ladislaus Müller: Wer war Viktor Kiss?

Heike Drechsler-Meel: Fundgrube Internet: Emma Seltenreich und ihre Beziehungen zum deutschsprachigen Ausland.

V. Würdigungen

Ferdinand Klein: Erinnerung an den Pfarrer und Heimatdichter Franz Ratzenberger;

Heike Drechsler-Meel: Ein europäischer Globetrotter: vor 100 Jahren verstarb der Malerbaron Ladislaus Mednyánszky aus der Zips;

Franz Spitzkopf: Rudolf Neverla ist mit 92 Jahren gestorben;

Unsere Jubilare:

Franz Spitzkopf: Der Geistliche Rat Pfarrer Johann Kotschner wird 80 Jahre alt;

Andreas Metzl: Martin Johannes Moravek zum 75. Geburtstag.

Buchbesprechungen

Erhard Edler von Pollak: Marcell Jankovics: Zwanzig Jahre in Pressburg (1919-1939);

Heinz Schmitt: Renata SakoHoess: Literarischer Reiseführer Pressburg/Bratislava;

Ernst Hochberger: Hrsg.: Marian Sojak und Frantisek Zifcak: Z minuslosti Spisa XXV - 2017 (Aus der Vergangenheit der Zips).

 

----------------------------------------------------------------------------

Das Karpatenjahrbuch 2019 ist für uns Karpatendeutsche ein ganz besonderer Jahrgang - es ist der Siebzigste! Professor Dr. Jörg Meier, der Vorsitzende des Karpatendeutschen Kulturwerks Slowakei und der Vorsitzende der Stiftung Karpatendeutsches Kulturerbe, würdigt auf Seite 13 der Karpatenpost Februar/März 2019 diese wichtige Publikation der Karpatendeutschen in einem Artikel, den wir den Besuchern unserer Internetseite gerne zur Kenntnis geben.   

 70 Jahre Karpatenjahrbuch - eine Erfolgsgeschichte

Im Geleitwort zum zweiten Karpatenjahrbuch schrieben die Herausgeber, dass der erste Band "bei allen unseren Landsleuten eine außerordentlich herzliche Aufnahme gefunden habe. Mit Genugtuung könne man feststellen, dass es "seinen Zweck voll erfüllt" habe: als Bote der Heimatliebe Mut und Aufmunterung zu geben, die unlösliche Verbundenheit mit der Heimat aufrechtzuerhalten, das kulturelle und geistige Erbe der Vorfahren treu zu bewahren und den Zusammenhalt unserer Gruppe so stark zu machen, dass wir die Aufgaben, die an uns herantreten, im Interesse aller unserer Landsleute erfüllen können".

Seither sind 70 Jahre vergangen und wir können mit Fug und Recht postulieren, dass unser Karpatenjahrbuch seither seine Aufgabe mit Bravour erfüllt hat und zu einer wahren Erfolgsgeschichte geworden ist. Nach wie vor fungieren die immer pünktlich und zuverlässig erscheinenen Karpatenjahrbücher als "Erinnerungsorte", die der historischen Selbstvergewisserung und Selbstverortung dienen. Siebzig Ausgaben stellen in ihrer Gesamtheit ein außerordentlich wertvolles Kompendium des gemeinsamen kulturellen Erbes in Europa dar. Die vielen hundert Beiträge, die vom einfachen Erlebnisbericht bis zum wissenschaftlichen Aufsatz reichen, mögen zwar wie ein buntes Mosaik oder Kaleidoskop erscheinen, ergeben aber zugleich ein eindrucksvolles Bild karpatendeutscher Geschichte und Kultur. Dabei werden stets auch die Aktivitäten der Karpatendeutschen im Nachkriegsdeutschland berücksichtigt.

Bereits der langjährige Redakteur, Herr Studiendirektor i.R. Hans Kobialka, hat das Karpatenjahrbuch vom 51. Jahrgang bis zur Jubiläumsausgabe 2009 nicht nur sehr sachkundig und sorgfältig redigiert, sondern es darüber hinaus zu einem Organ gemacht, das sowohl von den karpatendeutschen Landsleuten als auch von am Karpatendeutschtum interessierten Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen des In- und Auslands immer mehr beachtet wird. Das Karpatenjahrbuch ist als "Visitenkarte" für die Außenwirkung der Karpatendeutschen von sehr großer Bedeutung. Hans Kobialka sei daher an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für seine wertvolle Arbeit der Dank aller karpatendeutschen Organisationen ausgesprochen.

Mit dem 61. Jahrgang ist die Redaktion des Karpatenjahrbuchs in andere Hände übergegangen und wenngleich die beiden Redakteure, Dr. Heike Drechsler-Meel und Dr. Heinz Schmitt, ihrer Herkunft nach keine Karpatendeutschen sind, so kennen sie sich - als langjährige Vorstandsmitglieder des Karpatendeutschen Kulturwerks - in der Materie sehr gut aus. Sie haben das Karpatenjahrbuch behutsam und konsequent für neue Zielgruppen attraktiv gemacht und die von ihren Vogängern begonnenen Arbeit des "Brückenbauens" erfolgreich fortgesetzt.

Die Karpatendeutschen Organisationen, die das Karpatenjahrbuch gemeinsam herausgeben, haben in der gesamten Zeit ihres Bestehens, auch in schwierigen politischen Zeiten, immer den Brückenschlag in die alte Heimat und die Völkerverständigung gefördert. Dabei haben sie sich stets für ein friedliches und geeintes Europa eingesetzt.

Die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte des Zusammenlebens nicht nur von Deutschen und Slowaken auf dem Gebiet der heutigen Slowakei hat in zahlreichen Orten und auf vielen unterschiedlichen Gebieten Spuren hinterlassen. "Brücken bauen" ist dabei ein entscheidendes Stichwort: Wir wissen um unser gemeinsames kulturelles Erbe, um unsere Verpflichtung, aus dem verbindenden Positiven, aber auch den Fehlern der Geschichte zu lernen und um unsere Verantwortung, uns für ein vereintes Europa mit gemeinsamen Werten einzusetzen. Dabei geht es nicht nur um schöne Kirchen und Schlösser, nicht nur um geistige und künstlerische Leistungen, sondern um wichtige historische Erfahrungen, die im Westen Europas häufig vergessen werden. Heute stellt sich für uns mehr denn je die Frage, wie unsere gemeinsame Zukunft in Europa aussieht? Und dabei wird - trotz der im Augenblick schwierigen Situation - nicht in erster Linie an Absatzmärkte und Rohstoffe gedacht, auch nicht nur an Touristik oder das Potential an Wissen und Aufstiegswillen, sondern durchaus an geistige, historisch-kulturelle und bisweilen sogar philosophische Dimensionen. Das gemeinsame kulturelle Erbe und die gemeinsamen Traditionen können dabei hilfreich sein. Möge das Karpatenjahrbuch auch in Zukunft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden, die sich uneigennützig zum Wohle der Karpatendeutschen und der Menschen insgesamt im zusammenwachsenden Europa einsetzen, denn es bleibt nach wie vor eine wichtige Aufgabe, die gemeinsamen Wurzeln und unterschiedliche Entwicklungen zu erforschen. Die Karpatenjahrbücher, mit ihren vielfältigen Beiträgen, möchten dazu Anregungen geben.
Unser Dank gilt allen bisherigen verantwortlichen Redakteuren des Karpatenjahrbuchs, die mit großer Sorgfalt für die Qualität unserer jährlichen Veröffentlichung Sorge getragen haben, sowie allen Autorinnen und Autoren, die in den vergangenen 70 Jahren zum Gelingen und Erfolg beigetragen haben.
Ganz besonders danken möchten wir nochmals Dr. Heike Drechsler-Meel und Dr. Heinz Schmitt, die als verantwortliche Redakteure mitbewirkt haben, dass die Karpatenjahrbücher zu einer festen, weit über die Karpatendeutschen hinaus beachteten, "Institution" geworden sind.

Das Karpatenjahrbuch 2019 kann zum Preis von 15,00 € (incl. USt.) zuzüglich Portokosten bezogen werden bei:

Arbeitsgemeinschaft der Karpatendeutschen aus der Slowakei
Schlossstraße 92
70176 Stuttgart

Kontakt
Telefon: +49 (0) 7 11 - 62 62 62
Telefax: +49 (0) 7 11 - 62 01 437
E-Mail: landsmannschaft@karpatenpost.de





_______________________________________________________________

 

Rudolf Melzer

Eine Betrachtung über sein Leben und Schreiben
von Rudolf Neverla

Am 24. Februar 2010 starb Rudolf Melzer. Herr Dr. Ernst Paldauf gab im "Deutsch-Probner Heimatblatt" der Trauer um seinen Heimgang Ausdruck. Noch im gleichen Jahr 2010 erschien im "Karpatenjahrbuch" von Herrn Hans Kobialka eine Würdigung zu seinem 90. Geburtstag. Die Todesnachricht und das Konzept der Würdigung zum 90. Geburtstag hatten sich offensichtlich überschnitten, so dass 2010 im Karpatenjahrbuch keine Trauerbotschaft erschien. Für die Unterstützung meiner Arbeit gilt der Tochter von Rudolf Melzer, Frau Rosemarie Lapp-Melzer, mein besonderer Dank.

Den ersten näheren Kontakt mit Rudolf Melzer hatte ich in der Deutsch-Slowakischen Arbeitstagung von Historikern und Zeitzeugen1) für die Aufarbeitung der gemeinsamen Zeitgeschichte 1938/39 bis 1946 im Tagungszentrum Kloster Banz vom 05. bis 07.10.1998. Ich war sehr beeindruckt von Rudolf Melzers geschichtlichem Wissen und der Art, wie er in seinen beiden Referaten über die Geschehnisse während des Aufstandes 1944 im Hauerland und in der Ober- und Unterzips berichtete. Auf die Vorträge folgten jeweils Aussprachen. Hier schilderte Rudolf Melzer mit großer Sachkenntnis den Ablauf der Ereignisse und antwortete auf Fragen kurz und präzise.

Geboren wurde Rudolf Melzer am 14.11.1919 in Krickerhau, heute Handlova, Slowakei. Er war der erste Sohn der Eheleute Rosalia geb. Rosenberger und Ignaz Melzer. Als Volksschüler war Rudolf Melzer wissbegierig und las gerne Bücher. In der Nähe des elterlichen Hofes wurde eine Bibliothek eröffnet. Dies unterstützte seine Leselust. Die Elektrotechnik, sein späterer Beruf, wurde bereits früh zu seinem Steckenpferd. Nach dem Studium in Brünn, wo er an der Deutschen Höheren Staatsgewerbeschule diplomierte, fand er als Elektroingenieur bei der Fa. Siemens in Pressburg eine Anstellung. Hier in Pressburg lernte er in einem Krickerhauer Freundeskreis seine spätere Frau Helena Melischko kennen und sie heirateten im Dezember 1944.

In den ersten Monaten des Jahres 1945 begann die große Fluchtbewegung. Die Angehörigen Melzers sowie alle anderen Deutschen aus Krickerhau verließen ihre Stadt in Richtung Sudetenland. Während dessen machten sich Rudolf und Helene Melzer in Pressburg zu Fuß auf den Weg nach Wien. Von dort gelangten sie mit dem Zug nach Schönhof, Sudetenland, wo bereits Verwandte aus Krickerhau eine Unterkunft gefunden hatten. Rudolf wurde zur Waffen-SS nach Prag einberufen. Nach der Kapitulation arbeitete er auf einem ehemals deutschen Hof, und floh dann mit einem Freund aus Krickerhau in einem Auto nach Linz. Es gelang ihm, seine Frau ebenfalls nach Linz zu holen, wo sie vorübergehend in einem Barackenlager unterkamen.

Nachdem die Hauerländer nach der Kapitulation von der Flucht nach Böhmen in die Heimat zurückgekehrt waren, begann ihre leidvolle Geschichte im Lager Novaky5). Nach Ihrer polizeilichen Anmeldung wurden Sie verhaftet, ins Lager eingewiesen; oder auch schon vorher aufgegriffen, ins Lager gebracht und zur Zwangsarbeit herangezogen. Außer den Deutschen befanden sich in weit geringerer Zahl auch Slowaken und andere im Lager.

Mit einem Flüchtlingstransport kamen Rudolf und Helene im Juli 1946 nach Gießen. Rudolf hatte Glück und fand als Elektroingenieur bei Siemens in Köln eine Anstellung, wie seinerzeit in Pressburg. 1964 übersiedelten Rudolf und Helene mit Tochter und Sohn nach Bergisch Gladbach. Rudolf Melzer wurde Leiter der Technischen Abteilung bei Siemens, bis er 1984 in den Ruhestand ging und sich jetzt seinen geistigen Interessen voll widmen konnte.

Früh zeigte sich Rudolf Melzers Neigung, Geschichte, Volkskunde und heimatliche Themen, insbesondere des Hauerlandes, aber auch allgemein der Karpatendeutschen, zu erforschen. Wie bereits erwähnt, war er als Student in den Semesterferien auch in Berlin und hat dort Bibliotheken besucht. Hans Kobialka hat Rudolf Melzers Lebenswerk in Kurzform, in einer Würdigung zu seinem neunzigsten Geburtstag2), dargestellt.

Aus der Fülle Rudolf Melzers Veröffentlichungen versuche ich hier anhand weniger Beispiele sein Wirken als Chronist zu beschreiben.

Dies in den Zeitschriften, der "Karpatenpost", "Karpatenjahrbuch", "Unser Hauerland" in der BRD, im "Heimatblatt" in Österreich, sowie im "Karpatenblatt", Slowakei.

Bereits vor seinem Ruhestand hat Rudolf Melzer 1980 die vierteljährliche Zeitschrift "Unser Hauerland" 3, 4, 5) herausgebracht, die er bis 1997 redigierte. Die Zeitschrift umfasste siebzehn Jahrgänge und war in mehrere Abschnitte gegliedert.

Im ersten Abschnitt auf der Titelseite und danach befanden sich ein oder mehrere Eingangsartikel. Anschließend folgte der Abschnitt "Gelesen . . Gehört . ." mit Nachrichten aus dem Hauerland, der Slowakei oder wo sonst Karpatendeutsche lebten. Danach gab es Artikel allgemeiner Art zu den Themen: Politik, Kultur, Zeitgeschehen u. a. m.

Den Abschluss bildete in jedem Heft der wiederkehrende Artikel "Aus den Aufzeichnungen des Hauerlandchronisten" (31 Fortsetzungen).

Letztere Kolumnen schrieb Rudolf Melzer selbst; worin nach Jahreszahlen geordnet geschichtliche Ereignisse vom ersten bis Ende des zweiten Weltkriegs beschrieben waren.

Die übrigen Artikel der Zeitschrift hatten verschiedene Verfasser, wobei alleine in den siebzehn Jahren siebenundzwanzig Artikel von Rudolf Melzer selbst verfasst wurden; mit eigenem Namen oder dem Pseudonym "Haajer" signiert. Ein Jahrgang von "Unser Hauerland" umfasste vier Hefte. Längere Artikel hatten mehrere Fortsetzungen wie z. B. der Artikel: Haajer, "Vor 50 Jahren Auflehnung in Krickerhau" 3). Hier wird der Konflikt beschrieben, wie sich 1939 der Bürgermeister Herzog von der Gemeinde Krickerhau in einem Brief an die Deutsche Gesandtschaft gegen die Leitung der Deutschen Partei in Pressburg beschwerte, was zu erheblichen Spannungen führte.

Ein anderer Artikel von Rudolf Melzer "Zum Wehrdienst der Karpatendeutschen" 4) beschreibt den Wehrdienst in der Tschechoslowakei und dann in der Slowakischen Armee, wo volksdeutsche Einheiten aufgestellt worden sind. Vor allem in der Umbruchzeit 1938 gab es vielfältig Probleme mit tschechischen, slowakischen und deutschen Stellen, die verhandelt werden mussten. Damals wurde auch die "Freiwillige Schutzstaffel", FS, gegründet. Viele Karpatendeutsche meldeten sich freiwillig zur Waffen-SS bis Frühjahr 1944, als zwischen der Deutschen und Slowakischen Regierung ein Abkommen geschlossen wurde, wonach in der Slowakei alle wehrpflichtigen Karpatendeutschen, anstatt zur Slowakischen Armee, zur Waffen-SS einberufen wurden.

In einer Dokumentation, in acht Fortsetzungen, beschreibt Rudolf Melzer die wechselvolle Geschichte des Lagers Novaky5) von 1931 an; einem Munitionslager mit Baracken für Arbeiter. Dann nach Auflösung der ÈSR, Lager für Chem. Kampfstoffe. Während des Zweiten Weltkriegs Konzentrationslager für Juden, unter Aufsicht der Hlinka-Garde, um die Juden auszusiedeln, doch in Wirklichkeit wurden bis zum 15. Okt. 1942 etwa 50.000 Juden in Vernichtungslager nach Polen transportiert. Bis sich der Vatikan einschaltete und keine Juden mehr abtransportiert wurden. Novaky blieb bis zum Ausbruch des Aufstandes, Ende August 1944, ein Internierungslager für Juden, anschließend wurde das Lager von Partisanen aufgelöst und blieb bis Ende des Zweiten Weltkriegs leer.

Nachdem die Hauerländer von der Flucht nach Böhmen zurückgekehrt waren, begann mit dem 8. Mai 1945 ihre leidvolle Geschichte in Novaky. Nach der polizeilichen Meldung wurden Sie verhaftet, ins Lager eingewiesen, oder auch schon vorher aufgegriffen, ins Lager gebracht und zur Zwangsarbeit herangezogen. Außer Deutschen befanden sich, in geringerer Zahl, auch Slowaken und andere im Lager. Grundlage war hierfür das Kaschauer Programm. Die Richtlinien für die Behandlung der Deutschen gab das Benesch-Dekret vom 05.04.45. Das Dekret vom 19.05.45 behandelte die Vermögenswerte und das Dekret vom 19.09.45 die Arbeitspflicht der Deutschen.

Im ersten Zeitabschnitt von Mai 45 bis November 45 bestand die Lagermannschaft in Novaky aus Partisanen, die die Deutschen hassten. Es war die Zeit des Hungers, Typhus, und der Sklavenarbeit; Unmenschlichkeiten mit vielfach tödlichen Folgen und Massensterben. Dies alles geschah vor der ersten Visite des Internationalen Roten Kreuzes, CICR, welche am 16.11.45 das Lager inspizierten. Nach der Inspektion wurde die Partisanenmiliz durch eine reguläre Gendarmerieeinheit abgelöst und die gröbsten Übergriffe hörten auf. Aus einem Vernichtungslager wurde allmählich ein Konzentrationslager.

Im zweiten Zeitabschnitt 1946 / 47 wurden die Verhältnisse im Lager Novaky menschlicher, obwohl die Zwangsarbeit weiterhin bestand. Für Schwerarbeit gab es Zusatzverpflegung. Ab April 1946 kam die Aufforderung sich für eine Aussiedlung zu melden. Hunger, Vorenthaltung des Eigentums und Diskriminierung führten vielfach bei Karpatendeutschen außerhalb des Lagers zur Meldung, sich aussiedeln zu lassen. Danach wurde den Zögernden eine Verfügung des Nationalausschusses zugestellt, sich in Novaky zu melden. Später wurde die Miliz aufgeboten, Deutsche für das Lager Novaky zur Aussiedlung einzusammeln. Der letzte reguläre Transport aus Novaky erfolgte am 21. Okt. 1946 in die amerikanische Zone der BRD: Danach kam für die Aussiedlung eine Unterbrechung.

Im dritten Zeitabschnitt erfolgten nur mehr Transporte auf Antrag für eine Familienzusammenführung. Ein Sondertransport ging am 17. Mai 1947 in die amerikanische Zone und wenige Tage darauf in die Ostzone. Die Lagerinsassen wurden nunmehr als Arbeitskräfte gebraucht, deshalb hatten die slowakischen Behörden kein Interesse an weiteren Transporten. Im Sommer 1948 wurde das Lager aufgelöst und alle Insassen entlassen. Die Baracken wurden entfernt und das Gelände zu Feldern eingeebnet. Nur ein Holzkreuz erinnert noch an die Toten.

Das wichtigste Geschichtswerk von Rudolf Melzer ist die in Wien in zwei Bänden verlegte "Erlebte Geschichte" 6). Der "Teil 1" umfasst die Zeit vom Umsturz 1918 bis zum Umbruch 1938 / 39, erschienen 1989. Die verfehlte Politik der Tschechen, mitunter dem deutsch-feindlichen Geist Versailles verhaftet, führte auch zu den Ereignissen von 1938.

Hier ein Auszug aus dem "Teil 1". Am 6. Okt. 1939 wurde in Sillein im Kongress slowakischer Parteien das "Silleiner Abkommen" getroffen, in dem eine Slowakische Landesregierung gebildet wird, um eine Autonomie im Rahmen der ÈSR zu verwirklichen. Eine fünfköpfige vorläufige Landesregierung, unter dem Vorsitz von Dr. Tiso, begann mit der Übernahme der Verwaltungsautorität. Das Münchner Abkommen mit den Westmächten hat die Regierungsbildung ermöglicht. Die Zentralregierung in Prag musste zustimmen. Am 8. Oktober 1938 zog die provisorische Regierung in Pressburg ein. In einer Proklamation wurden den Magyaren und Deutschen die Bürgerlichen Rechte zugesichert.

Im "Teil 2", von 1939 bis 1944 und wie es weiterging, erschienen 1996, wird die weitere Entwicklung der Karpatendeutschen Volksgruppe gezeigt. Die Volksgruppe geriet ab 1939 in den eisernen Griff des importierten Nazismus, nachdem vorher in den zwanziger und den dreißiger Jahren das kulturelle Leben der Karpatendeutschen durch Veränderungen geprägt war, wie Ablösung von der Monarchie und Slawisierung. Ein Rest von madyarischem Einfluss, besonders in der Zips und der österreichische Einfluss im Pressburger Raum blieb. Dazu kam der Einfluss des Deutschen Kulturverbandes mit engen Verbindungen zu den Sudetendeutschen. Die Dokumentation zeigt hier, welchen Zwängen, Einflüssen und Ängsten die Karpatendeutschen ausgesetzt waren und welche Spielräume ihnen im politischen und kulturellen Leben noch blieben.

In neun Abschnitten wird im "Teil 2" der Ablauf der Geschichte dargestellt, wobei im ersten Abschnitt das Jahr 1939, von der Autonomie bis zur souveränen Republik der Slowakei behandelt wird. Die Karpatendeutschen erlangten eine weitgehende Selbstverwaltung.

In den Abschnitten zwei bis vier wird die Konsolidierung der Slowakischen Republik, dann ab 1941 die Auswirkungen und Ausweitung des Krieges, die Freiwilligenmeldungen zur Waffen-SS, Volksdeutsche als Arbeitskräfte in Deutschland, die Nazifizierung des deutschen Schulwesens, die Reaktionen der Kirchen dazu, u. a. m. gezeigt.

Abschnitt fünf zeigt die Intensivierung des kulturellen Lebens, Nötigung in der Wehrdienstfrage, Querelen in der Parteispitze.

Im Abschnitt sechs und sieben wird das Ende der Volksgruppe 1944 / 45 behandelt, der Übergang vom totalen Krieg zur Totalen Niederlage, die Bilanz des Zusammenlebens der Völker, die Endstufe der Evakuierung und die Tod bringenden Lager für Deutsche in der Slowakei.

Abschnitt acht, behandelt die Durchführung des Abschubs.

Abschnitt neun zeigt wie es nach der Vertreibung weiterging bis zur Wende "1989" und wie sich das Verhältnis der Karpatendeutschen zu den Slowaken bis 1994 positiv entwickelt hat.

In der zweiteiligen Dokumentation "Erlebte Geschichte" 6), lässt Rudolf Melzer vielfach Zeitzeugen ihre Erlebnisse über bestimmte Ereignisse schildern. Dies regt den Dialog zwischen den Generationen an. Fragen geben Anlass zum Nachdenken und können bei einzelnen Landsleuten zu neuen Erkenntnissen über geschichtliche Zusammenhänge führen.

Die Dokumentation mit ihren reichhaltigen Archivstudien ist für uns Karpatendeutschen ein Quellenwerk für Einsicht und Verstehen unserer jüngsten Vergangenheit.

Die Zeitzeugenberichte aus den umfangreichen Veröffentlichungen von Rudolf Melzer sind deshalb wichtig, weil sie Basisinformationen sind. Sie sind allerdings zunächst als subjektiv zu bewerten und erlangen erst dann einen hohen Wahrheitswert, wenn sie geprüft und objektiviert werden. Eine absolute Wahrheit gibt es nicht. Neuere Erkenntnisse sind nicht auszuschließen. Sie relativieren älteres Wissen und Erkenntnisse über Zusammenhänge.

 

1) Schriftenreihe der Karpatendeutschen/Slowakei (SNM AKTA CARPATO-GERMANIKA XIII). Artikel: "Vom Aufstand 1944 in der Slowakei bis zur Vertreibung der Karpatendeutschen 1946".

2) Hans Kobialka: "Melzers 90. Geburtstag", Karpatenjahrbuch 2010, Seite 205.

3) "Unser Hauerland", 10. Jahrg. 1. Folge; Haajer: "Vor 50 Jahren Auflehnung in Krickerhau", 2 Fortsetzungen.

4) dsgl. 8. Jahrg., 2. Folge; R. Melzer: "Zum Wehrdienst der Karpatendeutschen", 11 Fortsetzungen.

5) dsgl. 5. Jahrg., 1. Folge, Haajer: "Nováky, Geschichte eines Konzentrationslagers", 7 Fortsetzungen.

6) "Erlebte Geschichte", Hrsg.: Karpatendeutsche Landsmannschaft in Österreich, Wien. 2 Bände.