Aktuelle Publikationen und Informationen

 


Aus dem Inhalt

Zum Geleit:  GR Pfarrer Johann Kotschner

I. Geschichte und Gegenwart:

Andreas Schneck:   "Got rach" - Gottes Strafen, Gottes Rache?;

Hans Kobialka:   Aus der Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde  Topportz;

Martin Moravek:   Einwanderungen nach Preßburg im Mittelalter;

Heike Drechsler-Meel:   Erbe und Auftrag: Johann Lipták und sein Nachlass im Karptendeutschen Archiv in Karlsruhe;

Anton Klipp:   Vertrag von Trianon vor hundert Jahren unterzeichnet.

 

II. Erzähltes und Erlebtes

Rudolf Göllner:   Die stolze Bergstadt Schmöllnitz in den Zipser Gründen - Was ist geblieben?;

Erhard Edler von Pollak:   Der Otto.


III. Kultur - Sprache - Religion - Architektur

Elisabetz Fendl:   Das Preßburger Beugel;

Jörg Meier:   Alte und neue Bilder von der Slowakei in der deutschsprachigen Literatur;

Andreas Metzl:   Eine fast 500-jährige Lutherbibel in Sankt Georgen;

Werner Laser:   Hundert Jahre Bauhaus - mit Spurensuche in der Slowkei.


IV. Würdigungen und Buchbesprechungen

Ernst Hochberger (bearbeitet):   Herta Ondrusová-Victorin: Tagebuch einer deutschen Künstlerin in sechs Staaten;

Ernst Hochberger:   Anton Lehmden - der berühmte Maler aus der Slowakei;

Ulla Nosko:   Eduard Oswald verstorben;

Ernst Hochberger:   Ein großer slowakischer Tatra-Kenner ist von uns gegangen: Ivan Bohus;

Jörg Meier und Heinz Schmitt:   Reinhold Wohland zum 70. Geburtstag;

Jörg Meier:   Buchbesprechung: Tilman Kasten / Elisabeth Fendl (Hrsg.): Heimatzeitschriften. Funktionen, Netzwerke, Quellenwert. (Schriftenreihe des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa. Bd. 18). Waxmann: Münster, New York 2017; 335 S. ISBN: 978-3-8309-3774-6.


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Das neue Karpatenjahrbuch 2020 ist da!
Eine Rezension von Hans Kobialka, Neustadt. a.d. W. (10. Nov. 2019)

Es ist bereits eine Tradition, dass das Karpatenjahrbuch für das kommende Kalenderjahr schon auf der Kulturtagung der Karpatendeutschen Organisationen in Stuttgart im Spätherbst des laufenden Jahres vorliegt. Das ist der zuverlässigen Arbeit der Redaktion (Dr. Heike Drechsler-Meel und Dr. Heinz Schmitt) sowie Mikulas Liptak im Verlag ViViT in Käsmark/Kezmarok zu verdanken. So war es auch in diesem Jahr Anfang November, und die anwesenden Teilnehmer der Kulturtagung, Abonnennten oder Käufer, konnten das neue Jahrbuch in den Händen halten und lesen.

Die Aufmachung und Gestaltung des Jahrbuches folgt auch einer langjährigen Tradition mit dem farbigen Umschlag (der 71. Jahrgang erscheint in fliederblau) mit dem Kalendarium, den Würdigungen und Nachrufen, schließlich auch den Buchbesprechungen und der Auflistung des umfangreichen heimatlichen Schrifttums.

Im Inhalt stehen die Kapitel "Geschichte und Gegenwart" sowie "Kunst und Kultur" im Vordergrund. Und der Leser begegnet wieder den bekannten Autoren, die sich über Jahre hinweg diesen Themen widmen, z.B. Ernst Hochberger, Andreas Schneck, Erhard Edler von Pollak, Anton Klipp, Rudolf Göllner, Hans Kobialka,  Elisabeth Fendl, Heike Drechsler-Meel, Heinz Schmitt und den Amtsträgern in den karpatendeutschen Organisationen wie Jörg Meier, Werner Laser, Pfarrer Johann Kotschner, Ulla Nosko, Pfarrer Andreas Metzl und Schuldekan Moravek u.a.  Eine Bereicherung sind die farbigen Bilder der beiden Maler Herta Ondrusova-Victorin und Anton Lehmden, die von Ernst Hochberger gewürdigt werden. 

Gerade in diesem ablaufenden Jahr wurde bei den Karpatendeutschen der Zeit vor 70 Jahren gedacht, als sich unsere Landsleute in ihren neuen Lebensräumen zusammenfanden. Siebzig Jahre sind eine lange Zeit, sie umfasst mehr als zwei Generationen und hat einen Wandel bewirkt. Viele Landsleute der Zeitzeugen-Generation haben uns verlassen; derenKinder und Enkel sind meist mit den Problemen der Zeit beschäftigt und können sich nicht um diese Fragen kümmern. So hat die Zahl unserer Mitglieder in den Organisationen stetig abgenommen, damit auch die Zahl der Abonnenten unseres Karpatenjahrbuches und auch dessen Finanzierung. Daher ist  man auf Zuschüsse und vor allem auf Spenden angewiesen, um die Heausgabe unseres Jahrbuches weiter zu gewährleisten.

Das Karpatenjahrbuch, früher auch Heimatkalender genannt, gehört nach dem Lesen nicht nur in den Bücherschrank, sondern mitten auf den Tisch, damit er uns fast täglich begleitet und vor allem den älteren Landsleuten hilft, die Erinnerung an die Heimat zu pflegen.

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Das Karpatenjahrbuch 2020 kann zum Preis von 15,00 € (incl. USt.) zuzüglich Portokosten bezogen werden bei:

Arbeitsgemeinschaft der Karpatendeutschen aus der Slowakei
Schlossstraße 92
70176 Stuttgart

Kontakt
Telefon: +49 (0) 7 11 - 62 62 62
Telefax: +49 (0) 7 11 - 62 01 437
E-Mail: landsmannschaft@karpatenpost.de




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Rudolf Melzer

Eine Betrachtung über sein Leben und Schreiben
von Rudolf Neverla

Am 24. Februar 2010 starb Rudolf Melzer. Herr Dr. Ernst Paldauf gab im "Deutsch-Probner Heimatblatt" der Trauer um seinen Heimgang Ausdruck. Noch im gleichen Jahr 2010 erschien im "Karpatenjahrbuch" von Herrn Hans Kobialka eine Würdigung zu seinem 90. Geburtstag. Die Todesnachricht und das Konzept der Würdigung zum 90. Geburtstag hatten sich offensichtlich überschnitten, so dass 2010 im Karpatenjahrbuch keine Trauerbotschaft erschien. Für die Unterstützung meiner Arbeit gilt der Tochter von Rudolf Melzer, Frau Rosemarie Lapp-Melzer, mein besonderer Dank.

Den ersten näheren Kontakt mit Rudolf Melzer hatte ich in der Deutsch-Slowakischen Arbeitstagung von Historikern und Zeitzeugen1) für die Aufarbeitung der gemeinsamen Zeitgeschichte 1938/39 bis 1946 im Tagungszentrum Kloster Banz vom 05. bis 07.10.1998. Ich war sehr beeindruckt von Rudolf Melzers geschichtlichem Wissen und der Art, wie er in seinen beiden Referaten über die Geschehnisse während des Aufstandes 1944 im Hauerland und in der Ober- und Unterzips berichtete. Auf die Vorträge folgten jeweils Aussprachen. Hier schilderte Rudolf Melzer mit großer Sachkenntnis den Ablauf der Ereignisse und antwortete auf Fragen kurz und präzise.

Geboren wurde Rudolf Melzer am 14.11.1919 in Krickerhau, heute Handlova, Slowakei. Er war der erste Sohn der Eheleute Rosalia geb. Rosenberger und Ignaz Melzer. Als Volksschüler war Rudolf Melzer wissbegierig und las gerne Bücher. In der Nähe des elterlichen Hofes wurde eine Bibliothek eröffnet. Dies unterstützte seine Leselust. Die Elektrotechnik, sein späterer Beruf, wurde bereits früh zu seinem Steckenpferd. Nach dem Studium in Brünn, wo er an der Deutschen Höheren Staatsgewerbeschule diplomierte, fand er als Elektroingenieur bei der Fa. Siemens in Pressburg eine Anstellung. Hier in Pressburg lernte er in einem Krickerhauer Freundeskreis seine spätere Frau Helena Melischko kennen und sie heirateten im Dezember 1944.

In den ersten Monaten des Jahres 1945 begann die große Fluchtbewegung. Die Angehörigen Melzers sowie alle anderen Deutschen aus Krickerhau verließen ihre Stadt in Richtung Sudetenland. Während dessen machten sich Rudolf und Helene Melzer in Pressburg zu Fuß auf den Weg nach Wien. Von dort gelangten sie mit dem Zug nach Schönhof, Sudetenland, wo bereits Verwandte aus Krickerhau eine Unterkunft gefunden hatten. Rudolf wurde zur Waffen-SS nach Prag einberufen. Nach der Kapitulation arbeitete er auf einem ehemals deutschen Hof, und floh dann mit einem Freund aus Krickerhau in einem Auto nach Linz. Es gelang ihm, seine Frau ebenfalls nach Linz zu holen, wo sie vorübergehend in einem Barackenlager unterkamen.

Nachdem die Hauerländer nach der Kapitulation von der Flucht nach Böhmen in die Heimat zurückgekehrt waren, begann ihre leidvolle Geschichte im Lager Novaky5). Nach Ihrer polizeilichen Anmeldung wurden Sie verhaftet, ins Lager eingewiesen; oder auch schon vorher aufgegriffen, ins Lager gebracht und zur Zwangsarbeit herangezogen. Außer den Deutschen befanden sich in weit geringerer Zahl auch Slowaken und andere im Lager.

Mit einem Flüchtlingstransport kamen Rudolf und Helene im Juli 1946 nach Gießen. Rudolf hatte Glück und fand als Elektroingenieur bei Siemens in Köln eine Anstellung, wie seinerzeit in Pressburg. 1964 übersiedelten Rudolf und Helene mit Tochter und Sohn nach Bergisch Gladbach. Rudolf Melzer wurde Leiter der Technischen Abteilung bei Siemens, bis er 1984 in den Ruhestand ging und sich jetzt seinen geistigen Interessen voll widmen konnte.

Früh zeigte sich Rudolf Melzers Neigung, Geschichte, Volkskunde und heimatliche Themen, insbesondere des Hauerlandes, aber auch allgemein der Karpatendeutschen, zu erforschen. Wie bereits erwähnt, war er als Student in den Semesterferien auch in Berlin und hat dort Bibliotheken besucht. Hans Kobialka hat Rudolf Melzers Lebenswerk in Kurzform, in einer Würdigung zu seinem neunzigsten Geburtstag2), dargestellt.

Aus der Fülle Rudolf Melzers Veröffentlichungen versuche ich hier anhand weniger Beispiele sein Wirken als Chronist zu beschreiben.

Dies in den Zeitschriften, der "Karpatenpost", "Karpatenjahrbuch", "Unser Hauerland" in der BRD, im "Heimatblatt" in Österreich, sowie im "Karpatenblatt", Slowakei.

Bereits vor seinem Ruhestand hat Rudolf Melzer 1980 die vierteljährliche Zeitschrift "Unser Hauerland" 3, 4, 5) herausgebracht, die er bis 1997 redigierte. Die Zeitschrift umfasste siebzehn Jahrgänge und war in mehrere Abschnitte gegliedert.

Im ersten Abschnitt auf der Titelseite und danach befanden sich ein oder mehrere Eingangsartikel. Anschließend folgte der Abschnitt "Gelesen . . Gehört . ." mit Nachrichten aus dem Hauerland, der Slowakei oder wo sonst Karpatendeutsche lebten. Danach gab es Artikel allgemeiner Art zu den Themen: Politik, Kultur, Zeitgeschehen u. a. m.

Den Abschluss bildete in jedem Heft der wiederkehrende Artikel "Aus den Aufzeichnungen des Hauerlandchronisten" (31 Fortsetzungen).

Letztere Kolumnen schrieb Rudolf Melzer selbst; worin nach Jahreszahlen geordnet geschichtliche Ereignisse vom ersten bis Ende des zweiten Weltkriegs beschrieben waren.

Die übrigen Artikel der Zeitschrift hatten verschiedene Verfasser, wobei alleine in den siebzehn Jahren siebenundzwanzig Artikel von Rudolf Melzer selbst verfasst wurden; mit eigenem Namen oder dem Pseudonym "Haajer" signiert. Ein Jahrgang von "Unser Hauerland" umfasste vier Hefte. Längere Artikel hatten mehrere Fortsetzungen wie z. B. der Artikel: Haajer, "Vor 50 Jahren Auflehnung in Krickerhau" 3). Hier wird der Konflikt beschrieben, wie sich 1939 der Bürgermeister Herzog von der Gemeinde Krickerhau in einem Brief an die Deutsche Gesandtschaft gegen die Leitung der Deutschen Partei in Pressburg beschwerte, was zu erheblichen Spannungen führte.

Ein anderer Artikel von Rudolf Melzer "Zum Wehrdienst der Karpatendeutschen" 4) beschreibt den Wehrdienst in der Tschechoslowakei und dann in der Slowakischen Armee, wo volksdeutsche Einheiten aufgestellt worden sind. Vor allem in der Umbruchzeit 1938 gab es vielfältig Probleme mit tschechischen, slowakischen und deutschen Stellen, die verhandelt werden mussten. Damals wurde auch die "Freiwillige Schutzstaffel", FS, gegründet. Viele Karpatendeutsche meldeten sich freiwillig zur Waffen-SS bis Frühjahr 1944, als zwischen der Deutschen und Slowakischen Regierung ein Abkommen geschlossen wurde, wonach in der Slowakei alle wehrpflichtigen Karpatendeutschen, anstatt zur Slowakischen Armee, zur Waffen-SS einberufen wurden.

In einer Dokumentation, in acht Fortsetzungen, beschreibt Rudolf Melzer die wechselvolle Geschichte des Lagers Novaky5) von 1931 an; einem Munitionslager mit Baracken für Arbeiter. Dann nach Auflösung der ÈSR, Lager für Chem. Kampfstoffe. Während des Zweiten Weltkriegs Konzentrationslager für Juden, unter Aufsicht der Hlinka-Garde, um die Juden auszusiedeln, doch in Wirklichkeit wurden bis zum 15. Okt. 1942 etwa 50.000 Juden in Vernichtungslager nach Polen transportiert. Bis sich der Vatikan einschaltete und keine Juden mehr abtransportiert wurden. Novaky blieb bis zum Ausbruch des Aufstandes, Ende August 1944, ein Internierungslager für Juden, anschließend wurde das Lager von Partisanen aufgelöst und blieb bis Ende des Zweiten Weltkriegs leer.

Nachdem die Hauerländer von der Flucht nach Böhmen zurückgekehrt waren, begann mit dem 8. Mai 1945 ihre leidvolle Geschichte in Novaky. Nach der polizeilichen Meldung wurden Sie verhaftet, ins Lager eingewiesen, oder auch schon vorher aufgegriffen, ins Lager gebracht und zur Zwangsarbeit herangezogen. Außer Deutschen befanden sich, in geringerer Zahl, auch Slowaken und andere im Lager. Grundlage war hierfür das Kaschauer Programm. Die Richtlinien für die Behandlung der Deutschen gab das Benesch-Dekret vom 05.04.45. Das Dekret vom 19.05.45 behandelte die Vermögenswerte und das Dekret vom 19.09.45 die Arbeitspflicht der Deutschen.

Im ersten Zeitabschnitt von Mai 45 bis November 45 bestand die Lagermannschaft in Novaky aus Partisanen, die die Deutschen hassten. Es war die Zeit des Hungers, Typhus, und der Sklavenarbeit; Unmenschlichkeiten mit vielfach tödlichen Folgen und Massensterben. Dies alles geschah vor der ersten Visite des Internationalen Roten Kreuzes, CICR, welche am 16.11.45 das Lager inspizierten. Nach der Inspektion wurde die Partisanenmiliz durch eine reguläre Gendarmerieeinheit abgelöst und die gröbsten Übergriffe hörten auf. Aus einem Vernichtungslager wurde allmählich ein Konzentrationslager.

Im zweiten Zeitabschnitt 1946 / 47 wurden die Verhältnisse im Lager Novaky menschlicher, obwohl die Zwangsarbeit weiterhin bestand. Für Schwerarbeit gab es Zusatzverpflegung. Ab April 1946 kam die Aufforderung sich für eine Aussiedlung zu melden. Hunger, Vorenthaltung des Eigentums und Diskriminierung führten vielfach bei Karpatendeutschen außerhalb des Lagers zur Meldung, sich aussiedeln zu lassen. Danach wurde den Zögernden eine Verfügung des Nationalausschusses zugestellt, sich in Novaky zu melden. Später wurde die Miliz aufgeboten, Deutsche für das Lager Novaky zur Aussiedlung einzusammeln. Der letzte reguläre Transport aus Novaky erfolgte am 21. Okt. 1946 in die amerikanische Zone der BRD: Danach kam für die Aussiedlung eine Unterbrechung.

Im dritten Zeitabschnitt erfolgten nur mehr Transporte auf Antrag für eine Familienzusammenführung. Ein Sondertransport ging am 17. Mai 1947 in die amerikanische Zone und wenige Tage darauf in die Ostzone. Die Lagerinsassen wurden nunmehr als Arbeitskräfte gebraucht, deshalb hatten die slowakischen Behörden kein Interesse an weiteren Transporten. Im Sommer 1948 wurde das Lager aufgelöst und alle Insassen entlassen. Die Baracken wurden entfernt und das Gelände zu Feldern eingeebnet. Nur ein Holzkreuz erinnert noch an die Toten.

Das wichtigste Geschichtswerk von Rudolf Melzer ist die in Wien in zwei Bänden verlegte "Erlebte Geschichte" 6). Der "Teil 1" umfasst die Zeit vom Umsturz 1918 bis zum Umbruch 1938 / 39, erschienen 1989. Die verfehlte Politik der Tschechen, mitunter dem deutsch-feindlichen Geist Versailles verhaftet, führte auch zu den Ereignissen von 1938.

Hier ein Auszug aus dem "Teil 1". Am 6. Okt. 1939 wurde in Sillein im Kongress slowakischer Parteien das "Silleiner Abkommen" getroffen, in dem eine Slowakische Landesregierung gebildet wird, um eine Autonomie im Rahmen der ÈSR zu verwirklichen. Eine fünfköpfige vorläufige Landesregierung, unter dem Vorsitz von Dr. Tiso, begann mit der Übernahme der Verwaltungsautorität. Das Münchner Abkommen mit den Westmächten hat die Regierungsbildung ermöglicht. Die Zentralregierung in Prag musste zustimmen. Am 8. Oktober 1938 zog die provisorische Regierung in Pressburg ein. In einer Proklamation wurden den Magyaren und Deutschen die Bürgerlichen Rechte zugesichert.

Im "Teil 2", von 1939 bis 1944 und wie es weiterging, erschienen 1996, wird die weitere Entwicklung der Karpatendeutschen Volksgruppe gezeigt. Die Volksgruppe geriet ab 1939 in den eisernen Griff des importierten Nazismus, nachdem vorher in den zwanziger und den dreißiger Jahren das kulturelle Leben der Karpatendeutschen durch Veränderungen geprägt war, wie Ablösung von der Monarchie und Slawisierung. Ein Rest von madyarischem Einfluss, besonders in der Zips und der österreichische Einfluss im Pressburger Raum blieb. Dazu kam der Einfluss des Deutschen Kulturverbandes mit engen Verbindungen zu den Sudetendeutschen. Die Dokumentation zeigt hier, welchen Zwängen, Einflüssen und Ängsten die Karpatendeutschen ausgesetzt waren und welche Spielräume ihnen im politischen und kulturellen Leben noch blieben.

In neun Abschnitten wird im "Teil 2" der Ablauf der Geschichte dargestellt, wobei im ersten Abschnitt das Jahr 1939, von der Autonomie bis zur souveränen Republik der Slowakei behandelt wird. Die Karpatendeutschen erlangten eine weitgehende Selbstverwaltung.

In den Abschnitten zwei bis vier wird die Konsolidierung der Slowakischen Republik, dann ab 1941 die Auswirkungen und Ausweitung des Krieges, die Freiwilligenmeldungen zur Waffen-SS, Volksdeutsche als Arbeitskräfte in Deutschland, die Nazifizierung des deutschen Schulwesens, die Reaktionen der Kirchen dazu, u. a. m. gezeigt.

Abschnitt fünf zeigt die Intensivierung des kulturellen Lebens, Nötigung in der Wehrdienstfrage, Querelen in der Parteispitze.

Im Abschnitt sechs und sieben wird das Ende der Volksgruppe 1944 / 45 behandelt, der Übergang vom totalen Krieg zur Totalen Niederlage, die Bilanz des Zusammenlebens der Völker, die Endstufe der Evakuierung und die Tod bringenden Lager für Deutsche in der Slowakei.

Abschnitt acht, behandelt die Durchführung des Abschubs.

Abschnitt neun zeigt wie es nach der Vertreibung weiterging bis zur Wende "1989" und wie sich das Verhältnis der Karpatendeutschen zu den Slowaken bis 1994 positiv entwickelt hat.

In der zweiteiligen Dokumentation "Erlebte Geschichte" 6), lässt Rudolf Melzer vielfach Zeitzeugen ihre Erlebnisse über bestimmte Ereignisse schildern. Dies regt den Dialog zwischen den Generationen an. Fragen geben Anlass zum Nachdenken und können bei einzelnen Landsleuten zu neuen Erkenntnissen über geschichtliche Zusammenhänge führen.

Die Dokumentation mit ihren reichhaltigen Archivstudien ist für uns Karpatendeutschen ein Quellenwerk für Einsicht und Verstehen unserer jüngsten Vergangenheit.

Die Zeitzeugenberichte aus den umfangreichen Veröffentlichungen von Rudolf Melzer sind deshalb wichtig, weil sie Basisinformationen sind. Sie sind allerdings zunächst als subjektiv zu bewerten und erlangen erst dann einen hohen Wahrheitswert, wenn sie geprüft und objektiviert werden. Eine absolute Wahrheit gibt es nicht. Neuere Erkenntnisse sind nicht auszuschließen. Sie relativieren älteres Wissen und Erkenntnisse über Zusammenhänge.

 

1) Schriftenreihe der Karpatendeutschen/Slowakei (SNM AKTA CARPATO-GERMANIKA XIII). Artikel: "Vom Aufstand 1944 in der Slowakei bis zur Vertreibung der Karpatendeutschen 1946".

2) Hans Kobialka: "Melzers 90. Geburtstag", Karpatenjahrbuch 2010, Seite 205.

3) "Unser Hauerland", 10. Jahrg. 1. Folge; Haajer: "Vor 50 Jahren Auflehnung in Krickerhau", 2 Fortsetzungen.

4) dsgl. 8. Jahrg., 2. Folge; R. Melzer: "Zum Wehrdienst der Karpatendeutschen", 11 Fortsetzungen.

5) dsgl. 5. Jahrg., 1. Folge, Haajer: "Nováky, Geschichte eines Konzentrationslagers", 7 Fortsetzungen.

6) "Erlebte Geschichte", Hrsg.: Karpatendeutsche Landsmannschaft in Österreich, Wien. 2 Bände.