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Karpatendeutschen

 


 

 

DER INNENMINISTER DES LANDES BADEN-WÜRTTEMBERG

 

 

Weihnachtliche Grußbotschaft des Ministers an die Vertriebenen

 

Liebe Heimatvertriebene, liebe Landsleute,

die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel stehen wieder vor der Türe. Die letzten Wochen eines Jahres laden dazu ein, innezuhalten und auf das zu Ende gehende Jahr 2016 zurückzuschauen. Was hat uns in den letzten zwölf Monaten bewegt? Und was haben wir in dieser Zeit erreicht?

Zu Beginn möchte ich an einige Jahrestage erinnern.

Für unsere russlanddeutschen Landsleute war das Jahr 2016 ein besonderes Gedenkjahr. Am 28. August 1941, also vor 75 Jahren, erging der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der Sowjetunion "über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolgarayons wohnen", der mit angeblich "Tausenden und Abertausenden Diversanten und Spionen" unter den Wolgadeutschen begründet wurde - eine Rechtfertigung, die schon damals als fadenscheinig erkennbar war. Die folgende "Übersiedlung" auch aller anderen deutschen Diasporagruppen aus dem europäischen Teil der Sowjetunion war in Wirklichkeit eine erzwungene Deportation der Russlanddeutschen. Sie wurden insbesondere nach Sibirien, Kasachstan und Mittelasien verbannt und fast 15 Jahre lang in Sondersiedlungen, in der sogenannten "Trudarmee", in Straflagern und in Gefängnissen festgehalten. Hunderttausende starben in den Lagern den Hungertod, erlagen ihren Verletzungen oder trugen bleibende gesundheitliche Schäden davon. Sie alle verloren damit ihre angestammten Heimatsiedlungen, ihr privates Eigentum, alle Kultur- und Bildungseinrichtungen und somit praktisch alle materiellen und sozialen Ausprägungen ihrer kulturellen Identität.

Erinnert sei aber auch an Erfreuliches, an den 25. Jahrestag der Erklärung des Slowakischen Nationalrats zur Abschiebung der Deutschen aus der Slowakei vom 12. Februar 1991. Mit dieser Erklärung hat das slowakische Parlament hervorgehoben, dass Generationen von Deutschen dank ihrer Bildung, ihres Geschicks und ihres Fleißes materielle sowie geistige Zeugnisse hinterlassen haben, die untrennbarer Bestandteil des kulturellen Reichtums der heutigen Slowakei wurden. Das Parlament hat das Prinzip kollektiver Schuld verurteilt und sein Bedauern über den Verlust der deutschen Mitbürger zum Ausdruck gebracht. Mit dieser Erklärung wurde in den Beziehungen zwischen den Karpatendeutschen und der Slowakei sowie zwischen den beiden Ländern ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Bewegt haben uns in diesem Jahr die Worte des Ministerpräsidenten von Ungarn anlässlich des ungarischen Gedenktags der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen am 19. Januar 2016 in Wudersch. Zum 70. Jahrestags des ersten Eisenbahntransports von Vertriebenen stellte er in aller Deutlichkeit fest: "Die offizielle Bezeichnung lautete Aussiedlung, doch dieses Wort hatte mit der Wahrheit nichts zu tun. Was Aussiedlung genannt wurde, bedeutete die Ausplünderung und die Vertreibung der ungarischen Schwaben. Sie wurden ihrer Häuser und sie wurden ihrer Heimat beraubt." Die Leidensgeschichte der Ungarndeutschen solle "daran erinnern, dass es das unveräußerliche Recht des Menschen ist, dort zu leben, wo er geboren worden ist, in der Kultur, in dem Land, in der Siedlung, die sein eigenes Zuhause ist."

Auch die persönlichen Worte von Daniel Herman, dem derzeitigen tschechischen Minister für Kultur, der als erstes tschechisches Regierungsmitglied am Sudetendeutschen Tag am 15. Mai 2016 teilgenommen hat, haben uns berührt. Er benannte die Ereignisse nach Kriegsende deutlich als "Verbrechen eines Teils der tschechischen Bevölkerung gegen die deutschsprechenden Mitbürger". Direkt an die anwesenden Sudetendeutschen gewandt sagte er: "Ich nehme die Worte des Bedauerns über Verbrechen an, die von einigen ihrer Vorfahren verübt wurden. Zugleich bedauere ich zutiefst, was vor sieben Jahrzehnten von einigen unserer Vorfahren begangen wurde und dass dadurch unser jahrhundertelanges Zusammenleben verletzt wurde."

Ebenfalls am 15. Mai dieses Jahres hat der rumänische Ministerpräsident Dacian Ciolos sowohl am 66. Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl als auch am Heimattag der Banater Schwaben in Ulm die Verbundenheit Rumäniens mit den Rumäniendeutschen hervorgehoben. Er schloss in Ulm mit den Worten: "Ich lade Sie ein, nach Rumänien, nach Hause zu kommen, sooft Sie dieses Bedürfnis verspüren. Rumänien vermisst Sie sehr, aber schätzt sich auch glücklich, Sie nahe zu wissen, ganz gleich, wo Sie sich auch befinden mögen."

Solche Worte sind Früchte der Charta der deutschen Heimatvertriebenen, in der auf Rache und Vergeltung verzichtet wird, und Ihrer jahrzehntelangen Bemühungen um persönliche Kontakte in die alte Heimat. Wer so auf seine europäischen Nachbarn zugeht, bereitet den Boden dafür, dass unter dem gemeinsamen Dach des Hauses Europa Verständigung und Versöhnung gedeihen können. Wir haben allen Grund, für diese Entwicklungen dankbar zu sein.

Ich freue mich darüber, dass ich am 20. Juni erstmals zusammen mit Ihnen in Bad Cannstatt den Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung begehen durfte, für den ich mich mit Ihnen so lange eingesetzt hatte. Anlässlich der Kranzniederlegung haben wir uns an das Schicksal und das unermessliche Leid erinnert, das Sie, die deutschen Heimatvertriebenen, bei der Flucht und der Vertreibung erleiden mussten. Gedacht haben wir aber auch der großen Leistungen, die Sie beim Wiederaufbau Deutschlands erbracht haben. Mit Ihrer Schaffenskraft und Ihrem Engagement haben Sie wesentlich dazu beigetragen, dass Baden-Württemberg nach dem Krieg zu einer wohlhabenden und wertgeschätzten Region in Europa aufgestiegen ist.

Am 1. August ist endlich die Richtlinie über eine Anerkennungsleistung ehemaliger deutscher Zwangsarbeiter ("ADZ-Anerkennungsrichtlinie") in Kraft getreten, für die auch ich mich als Bundestagsabgeordneter in Berlin eingesetzt hatte. Für die ehemaligen deutschen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die stellvertretend für die Verbrechen der Nationalsozialisten in Haftung genommen worden waren, ist die beschlossene finanzielle Leistung ein wichtiges Zeichen. Denn mit dieser Leistung wird deutlich gemacht, dass Deutschland das harte Schicksal sieht, das die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ertragen haben.

Schon in früheren Jahren gab es jeweils einen Beauftragten der Landesregierung für Ihre Anliegen, die Anliegen der deutschen heimatvertriebenen Landsleute und Spätaussiedler. Unsere Landesregierung folgt diesem Beispiel. Am 13. September hat die Landesregierung mich zum Landesbeauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler berufen. Diese Aufgabe habe ich sehr gerne übernommen.

Den Tag der Heimat haben wir gemeinsam am 18. September in der Liederhalle in Stuttgart und am 8. Oktober in der Badnerlandhalle in Karlsruhe- Neureut begangen. Die große Zahl der Besucherinnen und Besucher haben Ihre starke Verbundenheit mit der Kultur der früheren Heimatregionen bezeugt. Diese Treue beeindruckt mich. Heimat meint aber nicht nur die Herkunft, sondern auch eine gemeinsame Zukunft, ein Ziel, wohin wir zusammen streben. In der Charta der deutschen Heimatvertriebenen wird als Ziel ein Europa genannt, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können. Dieses gemeinsame Ziel ist weiterhin aller Mühe wert.

Am 29. September waren die Spitzen des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaften willkommene Gäste im Innenministerium. Wir haben ein gutes Gespräch miteinander geführt und anstehende Fragen und Aufgaben erörtert. Damit haben wir gemeinsam eine Grundlage für ein weiteres gutes und erfolgreiches Miteinander gelegt, auf das ich mich freue.

Ich danke Ihnen allen für Ihr großes Engagement in den Verbänden und Landsmannschaften. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich gesegnete Weihnachten und ein gesundes, friedliches und erfolgreiches Jahr 2017.

Ihr

Thomas Strobl
Stellvertretender Ministerpräsident und
Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration
des Landes Baden-Württemberg
Landesbeauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler

 

(Bild: Pressestelle Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg)

 

Zum Herunterladen: Weihnachtliche Grußbotschaft als PDF

 


Neue Publikationsreihe


Das Karpatendeutsche Kulturwerk gibt eine neue Publikationsreihe heraus, in der die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Slowaken in Monographien, Sammel- und Dokumentarbänden sowie Begleitpublikationen zu Ausstellungen aufgearbeitet werden soll.

Die ersten drei Bände behandeln vornehmlich das Ende des Zweiten Weltkriegs und dessen Folgen, vor allem für die Karpatendeutschen.

Wer wissen möchte, was die Feststellung: "Es war eine furchtbare Zeit" ganz praktisch und hautnah bedeutet, der oder die muss vor allem den 1. Band zur Hand nehmen: "Von der Geschichte vergessen. Das Rokser Tagebuch der Elisabeth Kaul." Sie war die Tochter eines Zipser Großgrundbesitzers, die nach der Evakuierung ihrer Geschwister mit ihrer schwerkranken Mutter zurückbleibt. In einem (geheimen) Tagebuch, in dem sie sich sozusagen mit ihren Verwandten unterhält, berichtet sie fast täglich von den ständigen Einquartierungen in ihrem Haus, von den Entwürdigungen durch ehemalige Angestellte, die sich jetzt als Herren aufspielen und die frühere Herrin wo sie können drangsalieren und demütigen, von sowjetischen Soldaten, die sie mit dem Tode bedrohen; dazu kommen die Sorgen um die Mutter, mit der sie schließlich das Haus verlassen muss und in einer bescheidenen Hütte bis zu deren Tod leben soll.

Diese Schilderungen sind nicht nur hautnah, sie gehen unter die Haut.

Elisabeth Kaul hat diese Aufzeichnungen über ein ganzes Jahr hinweg durchgehalten. Als ihr die Abschiebung drohte, hat sie sie in einer Aluminiumschachtel gut verstaut und im Familiengrab verborgen. Dort konnten sie 1977 geborgen und von der Verfasserin selbst noch einmal kommentiert werden, sodass auch Leser, die mit ihrer Heimat nicht vertraut sind, ihre Aufzeichnungen verstehen können. Sie stellen einen äußerst authentischen Beginn der Publikationsreihe des Karpatendeutschen Kulturwerks dar.

Im 2. Band: "Lebensbilder" schildern elf karpatendeutsche Frauen und Männer ihr Leben, in dem die Flucht bzw. Vertreibung die entscheidende Wende darstellt. Kindheitserinnerungen an friedliche Jahre werden abrupt unterbrochen durch traumatische Erinnerungen an Partisanenüberfälle, Evakuierung, Rückkehr in Hoffen und Bangen, die schließlich in der großen Enttäuschung der Internierung und Vertreibung endet. Es folgt der Neuanfang unter harten Bedingungen. Das Auf und Ab der Gefühle wird meist getragen und geprägt von Halt gebendem, christlichem Glauben.

Band 3: "Schicksalsjahre der Karpatendeutschen" enthält 76 Beiträge Karpatendeutscher aus den drei Siedlungsgebieten Zips, Hauerland und Preßburger Land über die Schicksalsjahre 1944 bis 1946. Die meist friedliche Nachbarschaft von Deutschen und Slowaken wird durch den Partisanenaufstand mit Massakern an der deutschen Bevölkerung zerstört. Nach Kriegsende wird die deutsche Bevölkerung auf Grund der bis heute geltenden Bene¹-Dekrete entrechtet, enteignet, in Sammellagern eingepfercht und schließlich ausgewiesen, vertrieben. Die ergreifenden Darstellungen enden mit der Schilderung gänzlich unterschiedlicher Bedingungen eines Neuanfangs in West- oder Ostdeutschland, Österreich oder auch Amerika.

 

Band 1:

Von der Geschichte vergessen: Das Rokser Tagebuch der Elisabeth Kaul
Herausgegeben von HEIKE DRECHSLER-MEEL unter Mitarbeit von ENID GAJEK und KURT ZEILLINGER JUN.
Ke¾marok: ViViT 2015. XII, 164 S., Ill., Kt., zum Preis von EUR 15,- zzgl. Porto

 

Band 2:

Lebensbilder. Karpatendeutsche erinnern sich
Ausgewählt u. hrsg. von ULLA NOSKO.
Ke¾marok: ViViT 2015. 232 S., Ill., Kt., zum Preis von EUR 15,- zzgl. Porto

 

Band 3:

Schicksalsjahre der Karpatendeutschen. Zeitzeugenberichte
Ausgewählt und zusammengestellt von HANS KOBIALKA unter Mitarbeit von JÖRG MEIER und ULLA NOSKO.
Ke¾marok: ViViT 2015. 380 S., Ill., Kt., zum Preis von EUR 25,- zzgl. Porto

 

Die Bände sind zu beziehen über
Karpatendeutsches Kulturwerk Slowakei e.V., Karlsruhe,
Reinhold Wohland, Rintheimer Straße 36, 76131 Karlsruhe, Telefon 0721/694152

 


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